Fliegt über diese
Zeilen dein Blick,
geh liebe gleich zum
Anfang zurück.
Denn dieses Märchen
handelt vom Winter allein,
von Eiszapfen im Haar und
Einsam-Sein.
Willst du weiterlesen,
wünsch ich dir viel Glück.
Ein Haus am Rand eines Flusses
stand
der sich wie ein blaues
Band
durch Wiesen und durch Felder
wand.
Das Haus, obwohl gewiss sehr
klein-
drum lebte auch der Mann
allein,
zog trotzdem viele Menschen
an,
und das wied'rum lag
daran
das unser Mann Geschichten
kannte,
lange, kurze,
wortgewandte;
die den Kindern aus dem Dorf
die Zeit kurz machten-
oh wie sie jauchzten, wie sie
lachten!
Doch dann kam der grimmige
Winter.
Mit einem Mal- fort war'n die
Kinder.
Nun blieb ihm nichts
übrig als Bettler zu sein-
doch die ihn früher
vergötterten, ließen ihn jetzt allein.
Sooft er auch klopfte, man
ließ ihn nicht ein.
Er verkauft seine Jacke, die
Handschuh, den Hut,
die Winterkälte tut ihm
gar nicht gut.
Die Hände sind blau, und
auch das Gesicht,
denn das Feuer ist drinnen, er
sieht stets nur das Licht,
das sich golden auf das
Pflaster ergoss.
Er starrte nach drinnen, oh
wie er's genoss
wenn einer der Hausbesitzer
öffnet die Tür;
keine Kälte mehr,
Wärme dafür.
Und von ferne dringt Musik an
sein Ohr:
Es ist Weihnachten, da singt
ein Chor.
Unser Mann ist verbittert, oh
wie er's bereut:
"Oh Herr, kannst du sehen, wie
man sich freut?",
sagt er; "Nur ich nicht- ich
frier heut!"
Sein Herz, einstmals
fröhlich, wird nun kalt und starr,
er hat schon vergessen, wie er
früher war.
Der Schnee fällt in
Flocken, unendlich leis,
und die Fenster, verkrustet
von Blumen aus Eis.
Er zieht den Schal enger mit
ertaubendem Finge,
ignoriert Festlichkeit, auf
den Straßen die Sänger.
Sein Herz kehrt sich um, aus
Liebe wird Hass;
and're für sich leiden
lassen macht ihm nun Spass.
"Soll'n sich andere
quälen!", sagt er zu sich.
"Andere, Fremde, nur nicht-
ich!"
Es ist Weihnachten, Leute,
seht nur, es schneit!
Und die Glocken stimmen an ein
Festtagsgeläut.
Friede auf Erden, weit und
breit.
"Pah, ich pfeif' auf den
Frieden, denkt er verbittert,
sein Herz, es ist wie Glas
zersplittert.
"Niemand denkt heut an mich,
das wird mir zu toll,
ich versteh' nicht, warum ich
an sie denken soll!
Nicht ein gutes Wort sollt ihr
nun von mir hören-
nein, ich werde der Freude
abschwören!"
So sprach's, strafft die
Schultern und verlässt die Stadt,
die ihm bis jetzt so viel
Kummer bereitet hat.
Der Wind hält ihn fest,
mit eisiger Hand,
doch er läuft stur
weiter, hält aufs Ziel zu unverwandt.
"Zu spät, gib auf!",
säuselt der Wind.
"Siehst du nicht, wie alles
zerrinnt?"
"Nein!", ruft der Schreiber,
er denkt nur: "Der spinnt!"
Doch schließlich gibt er
auf, sinkt gegen die Mauer,
den kalten Körper
durchläuft ein Schauer.
Blätter um Blätter
reißt er aus seinen Taschen,
verbrannt mit dem Streichholz
in leblose Aschen.
"Lebt wohl, Adieu, nie mehr
will ich euch sehn!",
ruft er, "Ihr könnt zum
Teufel gehn!"
Die Kälte packt zu, er
wird langsam schwach,
nur der nagende Hunger
hält ihn jetzt noch wach.
"Oh nein", denkt er, "was hab
ich getan?
Mein Lebenswerk zerstört-
tja, und dann?"
Alles Jammern und Klagen hilft
nun nichts mehr,
die verlorenen Blätter
bringt nichts wieder her,
auch nicht sein Wille, und
will er's noch so sehr.
Der Himmel wird dunkel,
finster und kalt,
die tauben Finger verlieren
den Halt-
er haucht sie an um sie warm
zu halten:
"Oh Herr, lass deine
Kräfte walten!"
Die Kräfte kamen, wenn
auch anders als gedacht,
den armen Schreiber
umfängt tiefste Nacht.
Noch einmal wirft er einen
Blick in die hellen Zimmer,
dann schließt er die
Augen, und diesmal für immer.
Öffnet er sie wieder,
ist's vorbei mit der Not,
schlimmer kann es nicht
werden, denn nun ist er tot.
Als er die Augen dann
aufschlägt, sieht er sich staunend um-
was ist das für Pracht um
ihn herum?
Womit hat er das verdient, und
vor allem- warum?
"Ws ist los mit mir?", ruft
er, "Ich bin nicht mehr krank!
Auch ist mir warm und
behaglich, Gott sei Dank!"
Seine Stimme klingt warm,
volltönend und tief,
nachdem er die Worte in den
Raum hineinrief.
Erstaunt sieht der Mann nun an
sich hinunter;
was er dort sieht, macht ihn
schlagartig munter.
Er sieht: er ist nicht
länger arm,
seinen Körper bedeckt ein
Mantel, violett, samtig warm.
Auch seine Augen, sie leuchten
grün, geisterhaft,
erste Zeugen seiner
neuerwachten Kraft.
"Du bist nun ein Geist",
spricht eine Stimme aus nichts
dem armen Schreiber ins
bleiche Gesicht;
der denkt prompt: "Bin ich
nicht ganz dicht?"
"Nein, dir geht es gut; du
hast nun die Macht,
die Menschen zu ärgern,
die dir nicht gedacht."
Der Schreiber hält inne,
das Gesicht wird rot:
"Und ich dachte, ich sei schon
längst tot!
Nun wer' ich mich rächen,
zur Feiertagszeit,
wenn in Dorf und Stadt es
Flocken schneit.
Wer den Geist der Weihnacht
nicht ehrt, der bitter bereut!
Denn ich lenke ihre Geschicke
ab heut!"
Und wehe dem, der an
Weihnachten geizt
und damit den
Geisterautoren reizt!
Ob mit Geld, oder Liebe,
es ist ihm völlig egal,
er sorgt für
vorweihnachtliche Sorgenqual.
Denn er- oh verflixt,
nichts reimt sich auf geizt!
Okay, das ist jetzt schon etwas
komisch... ein Weihnachtsgedicht mitten im April... na ja, auch
SuperRTL hatte mal 'Mainachten' im Programm. Und ich hatte einfach
keine Lust, bis zum Dezember zu warten...
Ach ja,
inspiriert von:
(http://semiramis-audron.deviantart.com/art/A-Raven-Christmas-73036806)
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